Giardieninfektion bei Katzen                              

 

Eine "neue Geisel" oder ein Phänomen, dass seit Jahren immer wieder auftaucht?

Ein sehr interessanter Artikel von Frau Gabriela Wolter, Hamburg, erschienen in der Zeitschrift der IG Aby & Somali, Ausgabe 3/2001.

Die Genehmigung zur Veröffentlichung liegt sowohl von der Verfasserin, wie auch von der IG-Leitung, Frau Schütz, vor.

 

Giardieninfektion bei Katzen- (k)eine exotische Durchfall- erkrankung

von Frau Gabriela Wolter

 

Was sind Giardien?

Giardien sind einzellige Parasiten, diese siedeln sich vor allem im Dünndarm der Wirtstiere ( auch bei Menschen! ) an.  

Eigentlich kommen Giardien hauptsächlich in südlichen Regionen vor. Manchmal sind diese Parasiten dort auch in den Gewässern zu finden. Durch unsere „Reiselust“ an den wir auch unsere vierbeinigen Freunde teilnehmen lassen und durch die Einführung von freilaufenden Hunden und Katzen aus den Mittelmeer-Urlaubsgebieten wurde diese exotische Erkrankung auch in unsere Breitengrade hineingetragen.

In verschiedenen Großstädten, z.B. München, wird die Ausbreitung von Giardien schon seit 1995 beobachtet.

Wie zeigt sich eine Giardien –Infektion?

Bei stabilem Immunsystem, guter Darmflora können diese Einzeller vereinzelt  vorkommen ohne irgendwelche Probleme zu verursachen. Sollte aber durch Stress, Nahrungsveränderung oder einer Infektion mit einem Magen-Darm-Virus die Darmflora „durcheinandergeraten“, vermehren sich Giardien und  führen zu schlimmen Durchfällen.  Die meisten Giardieninfektionen zeigen sich jedoch sofort in anhaltendem, therapieresistentem  Durchfall. Meistens sind Katzenbabys und Jungkatzen von dieser Infektion betroffen.

Der Kot ist sehr dünn ( oft kann die Katze den Stuhl nicht halten, er läuft einfach hinten heraus), stinkt süßsäuerlich und die Farbe ist  eher hellgelb bzw. hellgrau. Das Allgemeinbefinden der befallenen Katze ist kaum betroffen. Der Appetit ist völlig normal, dennoch magert das Kätzchen ab.  Die üblichen Behandlungsmethoden helfen nicht - Giardien sind Parasiten und deshalb nicht mit  Antibiotika oder darmberuhigenden Diäten zu behandeln.  Auch die üblichen Wurmkuren sind bei Giardien wirkungslos.

 

Wie kommt es bei Katzen zur Giardieninfektion, besteht Ansteckungsgefahr für den Menschen bzw. andere Tiere?

Tierfreunde, die sich ein Kätzchen aus dem Mittelmeerraum mitbringen, importieren diese „netten“ Darmbewohner manchmal gleich mit. Die Ansteckung geht dann sehr leicht  über den frischen Kot von Tier zu Tier weiter. Oft werden auch Katzen und  Hunde aus südländischen Tierheimen zur Vermittlung nach Deutschland gebracht. So kommt es dann zur epidemieartigen Ausbreitung in Tierheimen bzw. im Revier der freilaufenden Tiere.

Bereits im Jahre 1983 wurde die Übertragung einer Giardieninfektion vom Menschen auf den Hund nachgewiesen. Logischerweise ist es natürlich auch umgekehrt möglich, dass eine Übertragung der Infektion durch Katze oder Hund auf den Menschen erfolgen kann, insbesondere sind hier Kinder sehr gefährdet.

Eine Übertragung der Giardien erfolgt meist durch den frischen Kot, meist beim gegenseitigen Beschnüffeln bzw. durch „Schmierinfektionen“.

In unserer meist mit feuchtigkeitresorbierender Katzenstreu gefüllten Katzentoilette sterben die „feuchtigkeitsliebenden“ Parasiten sehr schnell ab.

Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten

Da Durchfälle bei jungen Katzen häufiger vorkommen und diese Erkrankung in unseren Breitengrade als nicht gerade üblich zu bezeichnen ist, denkt auch der Tierarzt  nicht sofort an eine Giardieninfektion.

Mit den üblichen Untersuchungs-und Behandlungsmethoden ist dieser Durchfallerkrankung eben auch nicht „beizukommen“, denn Giardien sind durch die üblichen Kotuntersuchungen nicht feststellbar.

In ganz frischem Kot, z.B. nach dem Fiebermessen beim Tierarzt ist der Darm gereizt und das Kätzchen setzt frischen Kot ab, können diese Parasiten manchmal auf Anhieb im „Präparat“ per Mikroskop gefunden werden.

Ansonsten muss die Kotprobe im Labor, parasitologisch speziell auf Giardien untersucht werden. Es ist wichtig, die Kotprobe speziell auf Giardien untersuchen zu lassen, denn bei routinemäßiger Kotuntersuchung auf Parasiten bzw. pathogene Keime können diese speziellen Parasiten nicht gefunden werden.

Bei positivem Nachweis von Giardien in der Kotprobe, bieten die meisten Labors gleich einen Behandlungsvorschlag an. Meist ist das ein Medikament mit dem Wirkstoff Metronidazol (z.B. Clont). Die Behandlung muss konsequent nach Anweisung des Tierarztes durchgeführt werden.

Nach erfolgreicher Behandlung erholen sich die Katzen meist sehr schnell, nehmen wieder gut an Gewicht zu und der Besitzer ist froh, dass der „Spuk“ vorbei ist.

 

erstellt am 08.08.2001